A Travellerspoint blog

Erste Schritte in Guatemala

Info: Die Texte wurden (mit kleinen und grossen Aenderungen) schon vor bis zu etwa einem Jahr geschrieben. Ich tippe sie nur erst jetzt ab.

16. Oktober 2006 - Peissenberg, Deutschland

Ein drittes Mal den Rucksack aus- und wieder einraeumen um sicherzugehen, dass ich nichts vergessen hab und meine Katze sich nicht als blinder Passagier einnistet. 15 Minuten spaeter gehts auch schon los. Wahrscheinlich bin ich der erste Traveler ueberhaupt, der seine Reise mit einem knapp 2m grossen Standventilator auf der Schulter beginnt. Der Pete ist recht froh, dass ich den endlich zurueckbringe und ein paar Stunden spaeter mach ich mich sturzbetrunken auf die Socken zum Bahnhof.

  • **FLASH***

18.Oktober 2006 - Xela, Guatemala

Dank der Hilfe eines Guatemalteken, der mich in den richtigen Bus gesteckt hat, konnte ich die Hauptstadt relativ schnell hinter mir lassen und mache jetzt die ersten unsicheren Schritte in der Bergstadt Xela. Die Stadt liegt auf 2300m und wird hauptsaechlich von Indígenas, also Nachkommen der Maya, der urspruenglichen Bevoelkerung dieses Landes, bewohnt. Der eigentliche Plan war, hier ne Zeitlang Spanisch zu lernen und den Einstieg in die aufregende Welt des Backpackens zu schaffen. Denkste, die Neugier trieb mich nach 3 Tagen nach Antigua.
Kaum huepf ich dort vom Bus stuermen schon die Tourijaeger auf mich zu und wollen mich in Hotels, Cafes, Tavelagencies usw. zerren. Der ideale Ort um mal den Kulturschock zu verarbeiten und sich unter die Ttaveler zu mischen. Ha, auf meiner Suche nach ner billigen Unterkunft werd ich von ner aelteren Guatemaltekin eingefangen, die ihr Haus - halb Wohnhaus, halb Hotel - vermietet.
Antigua erkunden, im Park mit Leuten quatschen, abends ein oder zwei Bier trinken, alles erstmal ruhig angehen lassen. So sitzt der kleine Johannes also mit grossen Augen an diesem Fruehstueckstisch, da faengt Sra. Estella an, mir mit Fotos, Haenden und Fuessen (sie konnte kein Englisch und ich kein Spanisch) zu erklaeren, dass irgendein Kind (ich nehm an Verwandte) in El Salvador Geburtstag haette (heute oder morgen) und dass sie irgendwas eingekauft haette (Geschenke vermutlich) und da hin will. Sie hat ja ein Auto zur Verfuegung, aber ihr Sohn hat keine Zeit (Arbeit schaetz ich) und sie selbst hat ja keinen Fuehrerschein. Ich soll schnell aufessen, dann fahren wir los. Ich dachte mir schon AAAAAAAH GEEEEIL als sie auf nen Golf GTI mit Sportsitzen zusteuerte, aber leider musste ich mit dem Toyota Corolla dahinter vorlieb nehmen. =/ 200.000 km, kaputte Stossdaempfer, nur ein Scheinwerfer... na ok. Der Verkehr in Guatemala ist nicht so schlimm wie es auf den ersten Moment aussieht. Es wird bei jeder Gelegenheit ueberholt (rechts oder links), wenn der Blinker nicht mehr funktioniert wird halt aus dem Fenster gewunken und nicht selten kommt einem ne Camioneta (diese gepimpten amerikanischen Schulbusse) hupend auf der eigenen Spur entgegen. Etwas chaotischer als in Deutschland aber langsamer und ruhiger.
Erste Station war ein kleines Dorf im Osten Guatemalas, in der Naehe Zacapa glaub ich. Tiefblauer Himmel, staubige Strassen, schwere Luft, brutale Hitze, Maenner in Cowboy-Outfit die an der Strasse sitzen und ne Zigarre rauchen - den Wilden Westen gibts noch! Wir assen was bei Estellas interessanterweise weissen Freundin und machten uns danach mit der 'blanquita' und noch mehr Gepaeck auf nach El Salvador. Die Familie die wir besuchten wohnte in nem kleinen Dorf nahe an der Grenze und es war schon dunkel als wir ankamen, von El Salvador hab ich also nicht wirklich viel gesehen. Das "Haus" war eigentlich nur ein Holz-Wellblechverschlag mit ein paar Decken auf dem Boden die als Betten ausreichen mussten, die (vier) Kinder in dreckiger und zerrissener Kleidung... Das war so der erste von vielen Momenten, in denen mir klar wurde wie gut wir zuhause in Deutschland leben. Jeder beschwert sich ueber Konjunktur, Arbeitslose und was noch alles und hier wohnen Menschen zu fuenft in nem Zimmer so gross wie ne durchschnittliche europaeische Abstellkammer und die Kinder werden nie ne Chance auf die grundlegenste Ausbildung haben - sie sind froh wenn sie jeden Tag genuegend zu Essen haben. Trotz ihrer Armut wurden wir ueberschwaenglich willkommen gehiessen und sie hatten extra ne Huehnersuppe und Kartoffeln fuer uns gekocht. Sie selbst assen nichts. Die kleinen waren zuerst voll schuechtern, haben sich im Zimmer versteckt und ab und zu verstohlen rausgeblinzelt. =) Wahrscheinlich haben sie noch nicht so oft nen weissen und blonden Menschen in ihrem Leben gesehen. Nachdem ich aber bisschen rumgebloedelt hab haben sie sich doch noch an mich gewoehnt und den Rest des Abends nicht mehr in Ruhe gelassen weil sie spielen wollten. ^^ Estella meinte dann dass es Zeit waere zurueckzufahren; wie jetzt, wir bleiben die Nacht nicht hier? Todmuede stieg ich halt wieder ins Auto und fuhr zurueck nach Guatemala. Die Strassen waren in nem fuerchterlichen Zustand, tausende Schlagloecher und ab und an ein kleiner Fluss der Stuecke vom Asphalt weggespuelt hat... Dazu kan noch dass eber nur ein Scheinwerfer funktionierte und nach kurzer Zeit lagen meine Nerven blank. In dieser Nacht passierte dann auch der bis jetzt schlimmste Zwischenfall meiner Reise und bleibt es auch noch jetzt, 17 Monate spaeter, aber es ist zum Glueck nichts passiert ausser nem riesengrossen Schrecken...

Posted by macondo 15:48 Archived in Guatemala Tagged backpacking Comments (0)

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