Der Travel-Bug hat zugebissen...
3. Dezember 2006 - Chajul, Mexiko
Ein kleines Dorf mitten im Regenwald, von der Abendsonne in warmes rotes Licht getaucht. Moskitos, Ameisen (und andere spacige Insekten), Einsamkeit, 3 Pesos in der Tasche und kein Plan wo ich bin oder als naechstes hingeh.
Ich schaetze es war einfach die Lust aufn Abenteuer die mich dazu gebracht hat, ohne Karte, Geld oder Spanischkentnisse einfach immer weiter in den Regenwald von Guatemala zu fahren. Die Strassen wurden kleiner und schlammiger und nach dem anfaenglichen Microbus fand ich mich auf der Ladeflaeche von nem Pickup wieder. Irgendwann kam ich dann an die Grenze zu Mexiko - Grenze ist bisschen uebertrieben, da gabs einfach nur ein Schild das meinte "GUATEMALA HOERT AUF - MEXIKO BEGINNT". ^.^ Einfach klasse: keine Kontrollen, keine Zaeune, nichts! nur ein paar huetten und ein alter Latino mit Goldzaehnen der mir n paar Pesos zu nem Halsabschneiderkurs andrehen wollte. Ich moecht nicht wissen wie viel Kokain, illegale Arbeiter/Schleuser und andere zwielichtige Sachen hier durchfliessen... Bevor ich los bin, hab ich gehoert dass die naechstgroessere Stadt hier in der Gegend Chajul sein soll, also in den naechsten Bus gehuepft damit ich dort mal Cash ziehen und mich bisschen orientieren kann. Gab ne nette Ueberraschung als ich in Chajul ankam: ungepflasterte Strassen, Holz-Wellblechhuetten und alles was ich sah waren zwei Huehner und 3 alte Frauen die auf der Strasse in ihren Schaukelstuehlen sassen und mich komisch anguckten (hab ich ungefaehr interpretiert als "Was zum Geier machtn Gringo HIER?????"). Einfach weiterfahren war nicht, hab meine letzten Reserven fuer ein kleines Hotel hier ausgegeben. Dumm gelaufen, ne? Mir wurde gesagt die naechste Stadt waere Comitán, etwa 4-5 Stunden von hier. Hat mich schlussendlich nen ganzen Tag gekostet dorthin zu trampen. xP
Halb verdurstet und verhungert musst ich dann erst noch nen Geldautomaten suchen der meine EC-Karte annimt - es lebe das Backpacken: Hungrig-durstig-muede-planlos-verlaufen-bei-Regen-und-mit-schlechter-Laune-alleine-bei-Nacht-durch-eine-unbekannte-und-gefaehrliche-Stadt-steuern. Aber zum lustigen Abschluss des Tages haben mir vier sturzbetrunkene Soldaten noch ein Abendessen in irgendner heruntergekommenen Kneipe spendiert. Aus denen konnte ich dann auch rauskriegen wie ich ins Zentrum komm und wo ich ne Unterkunft finde. Geschlafen hab ich aber nicht viel, im Nebenzimmer hatte es ein naechtliches Ehedrama. xD
Der Plan fuer den naechsten Tag sah vor, mir nen Einreisestempel zu holen und weiter nach San Cristóbal zu tingeln. Mein Grenzuebergang nach Mexiko war eben mitten im Nirgendwo, also war ich erstmal illegal hier. Auf in den Palacio Municipal an der Plaza und nach der 'oficina de migración' gefragt. Gibts hier natuerlich nicht, ich muesste die Plaza ueberqueren, 2 Blocks weiter in die Richtung, links abbiegen, 1 Block weiter und in der Papeleria nachfragen. Dort fand ich nur ratlose Augen und ne Wegbeschreibung 4 Blocks weiter. Da gabs sogar irgendein Buero mit ner Schlange Leuten davor. Jaja, hier bin ich richtig, wurde mir gesagt. Na klar. 30 Minuten spaeter war ich am anderen Ende der Stadt in einem aehnlichen Buero, sorry, aber leider koennen sie hier nicht GENAU das machen was ich will. Hab ja auch nur 20 Minuten gewartet bis sie ihre Siesta beendet haben xD Im Touristenbuero der Stadt koennen sie mir aber sicher helfen, ich soll doch ma dort nachfragen. "Ah, ok. Und wo find ich das Touristenbuero?" -- "Oh das ist leicht zu finden. An der Plaza gleich neben dem Palacio Municipal." MUAAAAAAAAAAAHAHAHAA!!! Filmreif 
Aber nee, hier in Comitan krieg ich keinen Stempel. Da muss ich erst zurueck zur Grenze mit Guatemala fahren und mich dort stempeln lassen. Sind ja nur 1 1/2 Stunden. =| Der Herr dort verstand erstmal nicht warum ich von der mexikanischen Seite komme und nen Einreisestempel will. Aber nach ner kurzen Debatte war alles in Ordnung mit meinem Papierkram. DACHTE ICH xD
Abgeschreckt von der letzten Nacht hab ich mir ne neue Absteige gesucht und leider genau das Zimmer neben dem Gemeinschaftsbad gekriegt. Ein Mexikaner hat sich die ganze Nacht die Seele aus dem Leib gekotzt und ich hab kein Auge zugekriegt.
Genug von Stempeln, planloses Durch-die-Gegend-irren und naechtlichen Dramen. Ab nach San Cristobal! Wer bei Mexiko an Tequila, Kakteen, Sombreros und Sonne denkt liegt falsch. Zumindest hier in der Gegend. In dieser Nacht waer ich beinahe erfroren, weshalb die erste Station am naechsten Tag das Busterminal war. Ab nach Palenque, nochmal ab in den Regenwald! Nach 3 Tagen traf ich nen Englaender, mit dem ich dann zu den Ruinen von Palenque bin. Ich war weniger von den Ruinen beeindruckt als vom Regenwald selbst, mit einer wahnsinnig dichten Vegetation, unzaehligen Flueschen und Wasserfaellen. Die Geschichten des Englaenders allerdings sollten meine bisherigen Plaene restlos zunichte machen. Er erzaehlte mir von Suedamerika, seiner Reise, der Route, dem Budget und kurze Zeit spaeter war klar: In 3 Monaten will ich in Buenos Aires sein. Na mal sehen. [[wollt ich das wirklich in 3 Monaten machen? ich lach mich grad ziemlich kaputt wo ich das zeug abtippe]]

Am Abend sind wir dann noch mit ner Gruppe Deutschen zum Partymachen nach El Panchan, das ist so ne Art Touristenzentrum etwas ausserhalb der Stadt Palenque. Ganz nett, mit Bars und Restaurants unter Palmendaechern, Feuerspucker-Shows, kleinen Holzhuetten (Cabañas) und anderem Tourismuskram. Nur hats dann so heftig angefangen zu schutten, dass sich die Party in Rekordzeit aufloeste. Wir haben beschlossen bisschen zu warten bis der Regen nachlaesst und dann ein Taxi zu rufen. Als sich nach 20 Minuten ein Fluss auf der Strasse draussen gebildet hat, haben wir uns umentschieden. ^^ Nach etwa ner halben Stunde kam das Taxi an, oder zumindest bis auf etwa 200m wurde uns gesagt weil die Strasse ueberschwemmt waere... Also, dann mal spurten, damit wir nicht zuuu nass werden. Das Bild werd ich nie vergessen, wie wir alle stoned wie nochmalwas die durch den Regen rennen, uns halb kaputtlachen, an den Fluss kommen der die Strasse ueberschwemmt hat, der Deutsche vor mir schreit "sieht ja gar nicht so schlimm aus!!" und mitsamt seiner Gitarre in den Fluten versinkt und weggespuelt wird. ^^
Am naechsten Tag hab ich den Rundum-solglos-Touristenbus nach Flores, Guatemala, verpasst und musste die Strecke auf eigene Faust anpacken. War ja klar. Ab nach Frontera Corozal, eine Station am Grenzfluss zwischen Mexiko und Guatemala. Der Grenzbeamte warf einen Blick in meinen Reisepass, schaute verwundert und fragte nach irgendeinem Zettel. Da ich den natuerlich nicht hatte, wollte er mir keinen Ausreisestempel geben. putalaconchatumadrecabron! Nach einer hitzigen Diskussion kamen wir zu dem Kompromiss, dass ich ihm 200 Peso (etwa 15€) gebe und er mir dafuer nen Stempel.
Nun war ich aber immer noch nen Mexiko, will nach Guatemala und dazwischen ein Fluss. Da ich nicht schwimmen wollte, blieb mir nix anderes uebrig, als nochmal 300 Peso zu blechen und ein kleines Boot zu mieten. Ziemlich schnell fand ich dann nen Microbus nach Flores, in dem ein Guatemaltekischer Bauer nen Karton Kueken auf den Sitz neben mir stellt und meint dass ich mal aufpassen soll dass er nicht runterfaellt. In Guatemala ist es nichts besonderes, eben mit ner Schachtel voll irgendwelchen Tieren unter dem Arm zu reisen, aber als sie dann 2 lebende ausgewachsene Schweine aufs Dach geschnallt haben, hab ich doch schon bisschen komisch geschaut. =)